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14.06.-23.06.2024, Entlang Maas, Mosel und Rhein

Ich wollte immer mal nach Verdun, die Gedenkstätte und Wälle ansehen, von denen wir immer in Geschichte hörten. Entlang der Maas führt ein toller Fernradweg, also war der erste Teil der Strecke schnell gefunden. Danach war die Frage, wie man am besten zurück nach Deutschland kommt, denn die Fahrradmitnahme ohne Tasche ist in französischen Fernzügen nicht angesagt...


Der Bock ist bereit.

Als Neuerung habe ich dieses Jahr selbst genähte "Aero-Lowrider". Preislich im Endeffekt nicht günstiger als die von Ortlieb, aber dafür: Aero! Sie laufen vorne zusammen und ich bilde mir ein, dass man dadurch besser gegen den Wind ankommt. Die Psyche radelt immer mit!

Tag 1, Freitag

Dieses Jahr geht es als "altes Ehepaar" zusammen mit Christian auf Tour. Wir sind schon viele Strecken gemeinsam geradelt und dieses Jahr wollte er gerne mitkommen.

Kurz vor 6 steht er vor der Tür und der RE zuckelt pünktlich um 6:15 los. Ich hatte die letzte Woche einen übelsten Hexenschuss und will kein Risiko eingehen. Deshalb laufe immer wieder durch die Züge, so geht es dem Rücken ganz gut, als wir um 15:00 endlich Aachen erreichen.

Die Stadt gibt uns nichts entlang unserer Strecke. Alles häßlich und viel, aggressiver Autoverkehr. Dazu geht es immer wieder steil bergauf, aber wir kurbeln stoisch vor uns hin und nachdem wir die Hauptstraßen verlassen haben und durchs Grüne radeln stören auch die Steigungen nicht mehr. Das Wetter ist toll und warm, wir strippen und schalten auf kurz.

Das Dreiländer-Eck liegt am höchsten Punkt, danach geht die Sausefahrt über Serpentinen ins Tal, bis wir auf den Bahndammradweg "Ravel 39" (?) stoßen. Die nächsten 30 km gehört er uns und ich vermute, dass wir jetzt das geilste Stück der ganzen Tour radeln. Der Weg ist 1A ausgebaut, kaum Steigungen, Gefälle rast man leicht hinunter und an querenden Straßen wird der Weg grün und leitet einen elegant hinüber. Genußradeln.


Der Bahndammradweg quert eine Straße.

Gegen Ende suchen wir einen Supermarkt und wechseln auf die parallel führende Bundesstrasse. Das Experiment lassen wir aber schnell bleiben, bei dem Verkehr ist das mörderisch. Lieber radeln wir noch ein Stück Bahndamm und dann über eine Abkürzung zum Carrefour.

ch kaufe eine Brotzeit ein, während Christian bei den Rädern bleibt. Die Leute wirken alle unheimlich langsam und bedächtig, an der Kasse stehe ich ewig an. Wir witzeln, das ist halt Valonien, das französische Belgien, das eh nichts kann. 🙂

Dann geht es zum Campingplatz um die Ecke. Mein Französisch ist noch erstaunlich präsent und so kann ich alles problemlos regeln. Wir treffen Oscar, einen Bikepacker aus der Schweiz und haben einen lustigen Abend.

Track.

Tag 2, Samstag

Nachts regnet und stürmt es, aber das Zelt ist dicht, also ist es eigentlich ganz gemütlich. Man hört die Böen richtig durch die Bäume heran orgeln, aber unser Plätzchen ist geschützt, also alles gut. Blöd wird es nur beim dringenden Klogang. 😁 Danach stehe ich am Klohaus, blicke in die Sturzbäche und friere, denn es ist wirklich kalt. Bäh...

Um 9:30 sind die letzten Schauer durchgezogen (das Regenradar ist einfach genial) und wir packen unseren Kram zusammen. Oscar ist auch auf den Beinen und da es einfach saukalt ist fahren wir gemeinsam zum Bäcker um dort statt auf dem Zeltplatz zu frühstücken. Uns strahlt ein reichhaltiges Angebot französischer Leckereien entgegen. Das muss die kommenden Tage alles gefressen werden!!!

Nachdem wir zurück zum Bahndamm "geklettert" sind, folgen wir ihm weiter Richtung Liège. Es geht jetzt die ganze Zeit leicht bergab (200 m), da freut sich das Radlerherz. Der Weg ist nach wie vor erstklassig und ich mag es, wie er einen z.B. vor Kreuzungen in den Verkehr spuckt. Da wuselt man sich durch die Autos und weiß, irgendwo gegenüber zwischen zwei Häusern und ganz unscheinbar geht die Rennstrecke weiter.

Liège wird ein Test der Geduld. Die Stadt besteht zu großen Teilen aus alter Montan-Industrie und viele Anlagen sind tot und vergammeln. Das fällt uns hier sowieso überall auf: Es gibt zum Teil richtig abgeranzte Häuser und Infrastruktur, aber was man neu macht ist erstklassig. Die Stadt zieht sich lange hin. Wir folgen schon der Maas, haben die offizielle Eurovelo aber noch nicht gefunden und irren so ein bisschen dahin. Die Gegenden sind richtig abgeranzt und der Verkehr ist ätzend. Manche Straßen sind auch in einem erbärmlichen Zustand, Belgien halt.

Irgendwann finden wir das Schild der Eurovelo, lassen die Industrie hinter uns und dann wird es eigentlich schön. Eigentlich, denn es ballert uns ein erbarmungsloser Südwest entgegen. Der hat gut 5-6 Bft und folgt natürlich dem Flusstal. Es ist oft eine Schinderei, aber ich habe das Gefühl, dass meine Aero-Lowrider ihre Wirkung entfalten (latürnich!!!). Da wo es schlimm ist, kämpfen wir uns mit Christian in meinem Windschatten voran, denn der hat ja nur AnythingCages. 😁


Gegen den Wind entlang der Maas.

Als uns eine Rennradgruppe überholt, hängen wir uns in den Windschatten und ziehen mit. Hinter einem großen Fahrer klappt das gut, aber da ist noch ein Giftzwerg, der mir den Platz streitig macht und hinter dem ist nichts zu holen und wir werden abgehängt.

Im Windschatten einer Brücke picknicken wir. In der Sonne ist es richtig warm und Baguette, Salami, Käse, Tee und ein Kuchen aus Milchreis schmecken blendend. Kaum unterwegs wird es dann aber wieder kühl.

Wir passieren ein riesiges Akw und die Route führt direkt am militärisch gesicherten Zaun lang. So können wir uns einen der drei Kühltürme aus nächster Nähe ansehen. Man sieht die Wasservorhänge im Inneren und jeden Luftwirbel. Wirklich beeindruckend. Beim Dorf danach wird mir klar, welcher Meiler das ist: Tiange, das Risiko-Gerät. Brrrr, schnell weiter.

Die nächste große Stadt ist Huy und die gut ausgeschilderte Route führt uns mitten durch die Altstadt. Das ist alles ganz schön schnuckelig und wie so oft erinnert uns die Architektur an England. Über dem ganzen tront eine beeindruckende Festung. Das gefällt mir wesentlich besser als Liège. Auch die Vororte sehen hier wesentlich schicker aus.

Das färbt auch auf die Strecke ab, die sich ansprechender entwickelt. Das Maas-Tal wird schmaler und karstige Felswände zieren die Seiten. Die Häuser sind meist richtig hübsch, manchmal schnuckelige Hexenhäuschen, tolle Villen und immer wieder passieren wir Steinbrüche.

In Nemür essen wir beim Thailänder, dann folgt der wohl teuerste Abschnitt. Irre Villen und Chalets säumen das Ufer, tolle Traumhäuser aller Größen.

In Profondeville kurbeln wir wahnsinnig steile 50 m zum Zeltplatz hoch, der von einer lieben Omi geleitet wird. Wie wir hinterher feststellen, zieht sie uns mit ihren gepfefferten Preisen ganz schön ab, aber halt charmant. Beim Aufbau der Zelte tröpfelt es leicht, hält dann aber ein, bis wir in die Betten gehen.

Track.

Tag 3, Sonntag

Die ganze Nacht hat es immer wieder gegossen und als um 7 der Wecker geht, stehen wir sofort auf und machen uns klar. Das Regenradar zeigt eine zweistündige Regenpause an, also schnell vom Schlaf- in den Radelmodus transformieren, dann sind wir gerüstet, wenn es wieder schifft. Dazu 13⁰C, das wird heute hart.

Im Dorf ist um 8 schon richtig Action, Flohmarkt und das am Sonntag. Beim Bäcker gibt's Pain au Chocolat und geile Blätterteigschleifchen (auch mit Schoko). Der Radweg an der Meuse (so heißt die Maas auf Französisch) ist wieder erstklassig und wir folgen den meandernden Schleifen. Das Tal wird aber enger und es mehren sich schroffe Felswände.

Dinant ist wieder so ein schmuckes Städtchen mit diesmal einer düsteren Kirche aus dunkelgrauem Stein und dem darüber thronenden Kastell. Wir wollen den Tee/Kaffee nachholen (gibt's nicht bei Bäckern), aber die Kette, wo wir landen ist einfach mies. Das Pain au Chocolat (wir mussten ein Menü nehmen...) ist pappig und einfach nur schlecht.

Wir folgen weiter der offiziellen Meuse-Route. Auf unserer Seite besteht sie aus einem Radweg direkt am Wasser. Gegenüber führt die Strasse, auf der wiederholt sehr schicke Klassiker-Autos fahren. Irgendwas ist hier los.

Die Abzweigung der Route auf's andere Ufer verpassen wir irgendwie und stehen somit vor einem Wanderweg. Er sieht fahrbar aus, also folgen wir ihm, aber er wird schon ziemlich schmal. Dazu ist er sehr schlammig (ach so, es regnet immer wieder) und wir schliddern so vor uns hin. Im Grunde machbar, aber wenn's direkt neben dem Weg zum Wasser runter geht, ganz schön spannend.

Irgendwann stehen wir vor einer Felswand, die senkrecht ins Wasser reicht und rätseln, wie es weitergehen soll. Da schiebt sich unten am Fuss der Felswand ein MTB um die Ecke... Man muss schon sehr genau hinsehen, aber da führt tatsächlich ein 60 cm breiter, gemauerter Vorsprung ca. 10 cm über dem Wasserpegel am Fels entlang! Das ist witzig bis haarig, aber wir kommen durch.


An der Steilwand entlang und ja: Es ist wirklich so schmal, wie es aussieht.

Auch danach geht es über schlammige Wege und Kuhwiesen. Uns begegnen immer wieder MTB Gruppen, scheinbar ein Rennen, und die gucken uns ganz schön groß an. Nach etwa 5 km hat die Offroadtour ein Ende und ich entdecke eine Seil-Fähre, die uns kostenlos rüber zur Straße bringt. Christian mault, wir hätten noch 2 km weiter fahren und an der Schleuse queren können, aber dann die Überraschung, der Meusenweg wechselt genau darüber die Seite. Also haben wir alles, Fähre und Schleuse.

Kurz vor der Grenze biegt die offizielle Route weg von der Maas und führt uns auf einen Bahndamm. Das geht super voran, allerdings verpassen wir wieder die Abzweigung und als ich auf die Karte gucke, sind wir schon ziemlich weit ab vom Fluss. Über Bundesstraßen finden wir zurück, aber schön ist das Radeln da nicht. Viele, schnelle Autos und teils auf Tuchfühlung.


Eisenbahnbrücke und manchmal auch Sonne.

Erst als wir wieder auf dem Radweg sind wird es schön. Ja richtig herrlich. Der Wind nimmt ab und wir müssen nicht mehr so kloppen. Die Schleifen der Maas werden immer wilder und wir werden hin und wieder über die Buckel dazwischen geführt. Da geht es stramm bergauf und als wir nach so einem Anstieg runter rasen, knallt es plötzlich in meiner Lenkertasche. Ich weiss sofort, was los ist: Mein Zzing, die Powerbank, die vom Nabendynamo geladen wird und Handy + GPS versorgt, ist regelrecht abgeraucht. Jetzt müssen wir gucken, wie wir uns elektrisch versorgen.

In Revin erwartet uns eine Überraschung: Schiffe kürzen die Schleife der Maas ab und der Schleusenkanal führt durch den Berg! Der Radweg folgt ihm und wir sehen ein Schiff, was sich haarscharf durch den Tunnel quetscht. Ziemlich genial. Insgesamt hat uns die Landschaft heute sehr gefallen, aber die dauernden Schauer nerven. Übermorgen soll es besser werden.


Mit den Schiffen durch den Tunnel. Track.

Tag 4/5, Montag/Dienstag

Gestern musste ich ziemlich kämpfen. Schon vorgestern ging es mit Halsweh los und gestern kämpfte ich mit einer amtlichen Männergrippe. Ich hatte da wirklich keinen Bock drauf und habe versucht, sie wegzutreten, aber abends im Zelt ging die Post ab, und mir war wahnsinnig heiß.


Immer wieder malerische Brücken.

Dabei kommen wir heute durch das Hauptziel der Tour: Die Gedenkstätten von Verdun. Die sind ziemlich gut gemacht, sie liegen über einen Höhenzug im Wald verteilt. Bedrückend finde ich das Feld mit den über 16.000 Kreuzen vor dem Beinhaus von Douaumont. ABER: In dem Beinhaus sind die Überreste von 130.000 nicht identifizierten Soldaten gelagert. Das zeigt den ganzen Wahnsinn des Krieges.


Entsetzlich und bedrückend.

Bei der Weiterfahrt durch den Höhenzug nach SüdOst scheint endlich die Sonne und es ist herrlich warm. Wir passieren ein wahres Kleinod von Zeltplatz, mitten im Wald an einem See, aber es ist zu früh um Schluss zu machen. Also gönnen wir uns eine kühle Limo im Schatten und werden vom anwesenden Pfau inspiziert. Ein tolles Vieh und als ich mich ihm nähere senkt er den Kopf und ich darf ihn kraulen! Die Wirtin ist ziemlich erstaunt, beteuert aber, er sei freundlich. Respekt habe ich trotzdem, die Krallen sind riesig.

Nach dieser Pause beginnt eine kleine Tortour: Ich hatte die Strecke als Graveltour geplant, und sie führt über Waldwege, die völlig zerwühlt und überschwemmt sind. Die Räder sehen aus wie die Schweine als wir auf die Straße stoßen.

Track Montag. Track Dienstag.

Tag 6, Mittwoch

Schon nachts gab es ein dickes Gewitter und auch morgens pieselt es in einem fort. Das erfordert einen Männeraufbruch, Ölzeug an und alles naß in naß in die Packtaschen. Nebenan im "Garagenzelt" ist auch schon Leben. Ein altes Pärchen mit einem Opel-Oltimer. Gestern Abend wurde das Auto in das große Tunnelzelt gefahren, geschlafen wurde dann darin.

Wir zahlen und brechen auf. Die Campingplätze sind immer richtig gut. Wir zahlen um die 12 EUR, die Zeltwiesen sind prima und die (meist) Unisex-Sanitäranlagen sind sauber. Komischerweise fehlen an den Klos meist die Brillen und Klopapier ist auch selten.

Wir folgen dem Ufer des Lac de Madine und finden einen richtigen kleinen Yachthafen. Dort gibt es FeSaZus und Tee. Ich lese gerade das Buch Qualityland und FeSaZus sind industrielle Nahrungsmittel aus Fett, Salz und Zucker. Hier sind es aber wieder französische Köstlichkeiten.


Es blüht überall!

Über kleine Strassen geht es Richtung Mosel und am Ende folgt eine 8 km lange Abfahrt ins Moseltal. Offenbar haben wir die "Diagonale der Einsamkeit" verlassen, es herrscht hier deutlich mehr Leben und alles wirkt nicht mehr so heruntergekommen. Den Begriff scheint es wirklich zu geben und er bezeichnet die Diagonale von Belgien bis an die spanische Grenze.

Pont-à-Mousson ist ein belebtes Städtchen und wir gönnen uns ein Mittagessen aus Quiche und Paté in Blätterteig. Man braucht hier eigentlich nur Bäcker zum Überleben, als Nachtisch gibt es einen Éclairs.

Der Radweg entlang der Mosel ist deutlich schicker als an der Maas und bringt uns nach Nancy, einem richtigen Oberzentrum voller Leben. Es gibt erstaunlich viele Radspuren und der Franzose fährt zwar forsch Auto, nimmt aber auch Rücksicht, wenn man es als Radler ähnlich handhabt. Wir finden einen Radladen, kaufen einen Schlauch und einen Schaltzug (meiner scheint bald dran zu sein), dann noch eine Powerbank, jetzt sind alle Energieprobleme gelöst.


Demo am Petite Versailles.

Wir verlassen die Mosel bald wieder und werden kurz vor Lunéville von einem Rennradler überholt. Er fragt, ob wir das Schloss kennen, nein? Dann sollten wir ihm folgen. Unsere Route führt eh dran vorbei, aber die Episode wird lustig: Vor dem Schloss ist eine Demo der Front National. Wir sind etwas betreten, bis das Verständnisproblem geklärt ist: Es geht gegen die Front National! Seine Frau Barbara ist auch da und gehört wohl zu den Organisatoren. Die FN hat hier 40%, ziemlich uncool. Wir werfen einen Blick auf's Schloss, dass auch "Petit Versailles" genannt wird, wollen dann aber weiter. Uns stehen noch 30, zum Glück flache, Kilometer bevor, bis wir in Baccarat unseren Zeltplatz erreichen. Die nassen Plünnen aufbauen und während sie trocknen Abendessen, dann schlafen.

Track.

Tag 7, Donnerstag

Wieder hat es die Nacht viel geregnet, aber am Morgen hält das Wetter zum Glück dicht. Zum Frühstück haben wir alles gegessen, was geht, denn heute queren wir die Vogesen und ich will nicht mehr als nötig die Berge hoch schleppen.

Die ersten Kilometer sind noch friedlich, erst ab Saint-Dié-des-Vosges beginnt der Anstieg. Zuerst ganz subtil auf einem Bahndamm (Bähndähm), aber dann geht's zur Sache. Der Fehler kam, als wir von der Hauptstraße abbogen und auf die alte Straße nach Colmar abbiegen. Die geht quasi gerade das Tal hoch, 2,5 km mit 12-16%. Das ist erbarmungslos und wir schieben auch mal. Danach geht es nochmal 2 km mit "nur" 8% weiter, allerdings über einen ausgewaschenen Schotterweg. Auch nicht ideal.


Klettern durch die Vogesen.

Es ist ein langer Kampf und wir sind gut geschafft, als wir oben ankommen. Bei der anschließenden Talfahrt am Lac Blanc und Noir vorbei wird's richtig kühl und irgendwann kommt der Abstieg ins Rheintal. 18 km mit einem Schnitt von 36, das rennt und rennt.

Track.

Tag 8, Freitag

Es regnet beim Aufstehen und es regnet mit Pausen den ganzen Tag. Alles ist klamm und ja wirklich, die Klamotten müffeln. Naja, ehrlich gesagt: Sie stinken. Das wird uns so richtig bewusst, als wir im Zug nach Basel sitzen um Strecke gut zu machen.

Ab da geht es am Rhein entlang und es ist klar, der Fluss ist ein ganz anderer Schnack als die anderen. Breit, mächtig und randvoll. Hier schieben sich gewaltige Wassermassen durch's Flußbett, vor allem auf den Stauwehren stehend merkt man die Wucht. Und schick ist die Gegend mit einem schmalen Tal und einem guten Radweg. Der ist nur leider strickt nach Nation getrennt, es gibt einen auf der Deutschen und einen auf der Schweizer Seite.


Eine Serpentine nur für Radler!
Durchbruch bei Laufenburg.

Gegen Abend zeigt das Regenradar ein gigantisches Regengebiet, das auf uns zu zieht und wir ziehen die Reißleine. In 26 km gibt es ein bezahlbares Hotel, das peilen wir an. Der Wirt ist unglaublich nett: Wir dürfen die Räder abspritzen und in die Scheune stellen und dann gibt er uns noch einen Schlüssel zum Waschraum, wo wir unsere Klamotten in die Maschine schmeißen und trocknen dürfen. Danach ein Menü im Restaurant und die Welt sieht wieder gut aus.

Track.

Tag 9, Samstag

Sonnenschein beim Aufwachen, aber das währt nicht lange, als wir losradeln tröpfelt es mal wieder. Aber nicht lange, aus Süden nähert sich zwar ein riesen Regengebiet, aber noch halten die Wolken dicht. Wir folgen dem Rhein, liefern uns ein "Rennen" mit drei Lanz Bulldoggen und stehen plötzlich vor'm Rheinfall. Hier hängt Gischt in der Luft und der Boden bebt, eine unglaubliche Gewalt.


Rennen gegen einen Zylinder.

An der Holzbrücke von Diessenhofen stellt sich die Frage: Den Rhein Richtung Singen verlassen oder noch ein bisschen weiter? Es läuft so schön und weg vom Rhein bedeutet bergauf. Da haben wir keine Lust zu und radeln geradeaus. Zum Glück, denn kurz drauf an einem Bauernhof mit Erfrischungsstand gucke ich auf's Regenradar, der Besten App, die es gibt! Aus Süd schiebt sich ein riesengroßes Regengebiet nach Norden gefüllt mit lila Unwetterflecken. Würden wir wie geplant zur Donau hoch, würde es uns in 30 min erwischen. Wir disponieren um und fliehen dem Rhein entlang Richtung Bodensee.


Am tosenden Rheinfall.

Dass das die perfekte Entscheidung war liegt nicht nur am Rückenwind. Hinter uns sehen wir die Welt in schwarzen Wolken untergehen. Auf dem schweizer Ufer folgen wir dem Bahngleis und fliegen nach Koblenz. Dort geht's auf die Fähre nach Meersburg, dann auf dem Bodenseeradweg nach Friedrichshafen. Der führt größtenteils öde an der Straße entlang und auf den letzten Metern erwischt uns dann doch endlich der Regen. Klitschnass und stinkig steigen wir in den Zug nach Ulm, wo es empfindlich kalt ist. Auf 12⁰C ist die Temperatur gefallen. Gut, dass wir wieder ein Hotel haben.

Track.

Epilog

Die Deutsche Bahn ist ein schrottreifer Saftladen. Man fliegt schneller über den Atlantik als das man Deutschland per Bahn durchquert.

Um 9:02 startet unser Martyrium in Ulm. Der EC aus Österreich macht eigentlich einen guten Eindruck, aber der Schaffner dämpft unsere Hoffnung: Die schiebende und ziehende Lok würden nicht richtig kommunizieren. Doch die Österreichische Technik ist nicht das Problem, plötzlich stehen wir still, "Menschen im Gleis", bähm, 45 min Verspätung.

Damit aber nicht genug, plötzlich die Durchsage: "Unsere Fahrt endet heute in Darmstadt, nehmen sie den RE nach Frankfurt." Dass daraus nichts wird ins uns schon vorher klar: Wo soll der Platz für Fahrräder bleiben, wenn sich ein EC in einen RE quetscht? Wir nehmen den nächsten RE nach Frankfurt und bangen, wie es weitergehen sollen. Zum Glück ist der junge Mann im Reisezentrum eine Leuchte, bucht uns die letzten zwei Fahrradplätze im ICE mach HH, der aber erst in 2 h fährt. Wir radeln an den Main und hauen uns gegenüber der Fußball-Fanmeile auf die Wiese.


Chillen in FFM.

Der ICE ist dann prima und wir treffen Insa, die mit ihrem Surly Straggler auf dem Heimweg vom Bikepacking-Event im Taunus ist. Sie hat in 6 Tagen täglich 180 km und gut 3000 hm gefahren, das lässt uns ganz schön staunen. Alles scheint gut, wir passieren Lüneburg, da stoppt der Zug und die Ansage lautet: "Böschungsbrand, wir drehen um, wer will kann in Lüneburg aussteigen oder mit uns in 170 min via Bremen nach Hamburg fahren." Mir platzt der Kragen und ich brauche Frischluft. Noch 170 min dieses Elend ansehen? NO WAY! Nach HH Harburg sind es 42 km, das ist eine Hausrunde, das radeln wir!

Insa schließt sich an und hat auch schon einen Track parat. Und jetzt kommen die schönsten 1:41 Stunden des Tages! Es ist mild, die Sonne scheint golden und flach ins Land und die Strecke ist wunderbar. Es ist reinstes Genußradeln und vor Insa muss man keine Angst haben, die ist nett und freut sich über unseren Windschatten. Von Harburg zum Hbf holpert es nochmal ("Polizeieinsatz"), aber um 22:43 geht es endlich auf die Zielgerade nach Hause, Ankunft 0:40.

Bahn, Ulm-Fl: 15:40 h.
Flug, Frankfurt-San Francisco: 11:35 h.

Track.