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Englandtörn 2000

10. Tag
12.09.00
Dunkerque-Dover
SW 3-5
4/8
22C
67,62 sm
11,0 h

Es heult ein bißchen in den Wanten, als wir aufwachen. Aber es stürmt nicht, sondern weht mit gut 4 Bft aus SW. Na super, dabei wollten wir doch nach Dover. Unsere Nachbarn gucken etwas verwundert: Nach Dover? Gegen Strom und Wind? Tja, daran läßt sich leider nichts ändern. Erst ab 17:00 wird der Strom kentern.
Noch im Hafen merken wir, daß die 20er Fock und das volle Groß etwas zu viel Segel sind, also setzen wir ein Reff. Der Strom läuft eindeutig nach Nord, doch so stark wirkt er sich zum Glück nicht aus. Langsam aber stetig schaffen wir unsere Meilen und kreuzen das Fahrwasser in Richtung Port Ouest oder Port Quest, wie wir ihn nennen.
Um 12:30 verzieht sich die Bewölkung plötzlich und es wird angenehm warm. Wir können ausreffen, und da die Wellen relativ klein sind, wird es ein richtiges Sonntagssegeln. Später nimmt der Wind allerdings wieder zu und das Reff wird wieder gesetzt. Als wir endlich das Ende des Fahrwassers erreichen, hat der Wind noch etwas angezogen und wir setzen auch noch das zweite Reff. Auch die Wellen werden hier draußen einiges größer. Wir schätzen sie auf 1,5 m und das angenehme Segeln ist damit vorbei.
Beim aufs Klo gehen und nachherigem Navigieren merke ich, daß ich das nicht lange durchhalte. Oben verschwindet das Seekrankheitsgefühl dann zum Glück wieder. Andreas hält da mehr aus und macht ab jetzt die Arbeiten unter Deck. Neben dem TSS liegen drei riesige Bulker vor Anker. Zwei davon passieren wir knapp am Heck. Dort steht die Besatzung und angelt. Sie winken uns freundlich zu. Wahrscheinlich haben sie Mitleid mit uns, da die Skua wild über die Wellen hoppelt, sie aber ganz still liegen.
Gegen 18:00 beginnen wir mit dem Kreuzen des TSS. Auf den rechten Winkel nehmen wir erst mal keine all zu große Rücksicht. Da wir nach Dover wollen, liegen wir etwa 10 daneben. Die Wellen werden immer höher und steiler und ab und zu strecken wir unseren Bug tief weg. Im Süden sehen wir die Fähren hin und her fahren und ab und zu brummelt ein Hovercraft vorbei. Ein norwegischer Tanker zwingt uns zu einem extra Schlag nach Süden. Eigentlich genau das falsche im TSS, aber da sonst kein Verkehr zu entdecken ist, er uns aber genau vor die Nase fährt, entschließen wir uns dazu.
Inzwischen schiebt der Strom uns kräftig nach Süden, und so lassen wir das Feuerschiff South Goodwin weit im Norden liegen. Aus dem Dunst taucht Dover vor der untergehenden Sonne auf. Wir haben die ganze Zeit keinen SeaCat gesehen, aber genau jetzt, wo wir uns Dover nähern, kommt hinter uns einer in Sicht. Er hält genau auf uns zu, echt ein beschissenes Gefühl. Wir schalten das Toplicht ein und melden uns beim Port Control. Meine Befürchtungen, nichts zu verstehen, werden zum Glück nicht war. Der Mann spricht ganz langsam und deutlich und wir begreifen jedes Wort. Allerdings sind wir beide nicht besonders konzentriert und wissen hinterher nicht mehr sicher, ob wir uns 200 m vor dem West- oder Südeingang noch mal melden sollen. Der SeaCat zieht auf jeden Fall knapp hinter uns lang. Ein spektakuläres Bild in den Wellen. Allerdings ist er fast so laut wie die Hovercraft.
Wir melden uns einfach noch mal vor dem Osteingang, der eigentlich für Jachten verboten ist und werden prompt zum Westeingang geschickt. Die Wellen werden immer wilder, und da es dunkel ist, ziehen wir unsere Westen an und hängen uns an die Lifelines. Die Lichter am Westeingang sind alle rot, und als wir fragen was los ist, springen sie auf grün und wir werden herein gelassen.
Das ruhige Wasser ist in solchen Momenten immer ein herrliches Gefühl. Es ist 20:30 lokale Zeit, also 21:30 in Westeuropa. Wir waren 11 Stunden unterwegs und haben knapp 70 sm geschafft. Im Fahrwasser hatten wir dabei über Grund einen Schnitt von 2,5 kn.
Nachdem uns der Hafenmeister einen Platz zugewiesen hat, machen wir uns sofort auf in die Stadt, um noch etwas zu essen. Kentucky Fried Chicken hat noch offen, also begehen wir den Fehler und bestellen uns etwas. Die Pommes sind superfettig und meine Hähnchenstücke (alle dick frittiert) kriege ich kaum runter. Beim letzten kapituliere ich. Andreas mampft auch tapfer an seinem Burger. Bis auf die Cola schmeckt alles wirklich scheiße. Draußen auf der Straße verprügelt dabei ein Mädel total besoffen ihren Freund. Frankreich wirkte dagegen irgendwie zivilisierter.

Fotos:

Ideale Bedingungen: Sonne, 4 Bft, kleine Wellen... Viel Verkehr im Fahrwasser zwingt uns ab und zu zum ausweichen.