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Englandtörn 2000

8. Tag
10.09.00
Zeebrugge-Dunkerque
SW->N 1-3
Sonne
22C
41,88 sm
9,0 h

Der Hafenmeister ist freundlich und interessiert, als wir ihm unser Marinalink-Projekt vorstellen. Als wir ihn auch noch nach den Gegebenheiten vor dem Jachthafen von Calais fragen (die Tiefenangaben der Imraykarten und des McMillans sind unterschiedlich), meint er, wir sollten in fünf Minuten noch mal vorbei kommen, dann hätte er seinen Almanach geholt.
Kurz darauf, als wir uns Pfannkuchen zum Frühstück machen, klopft es. Es ist der Hafenmeister, der uns seinen belgischen Almanach schenkt. Er wäre von '99, so daß er ihn eh' nicht mehr benutzen würde. Das ist vielleicht freundlich!
Um 11:00 brechen plötzlich alle Schiffe um uns herum auf, und da uns bewußt wird, daß es schon so spät ist, ziehen wir mit. Sobald wir aus dem Jachthafen raus sind, setzen wir die Segel, aber der Wind ist sehr schwach. Erst als wir das Haupthafenbecken erreichen (nach fast 1 sm) können wir den Motor ausschalten.
Die Nordsee zeigt sich von ihrer freundlichsten Seite: Keine Wellen. Wir biegen um die Südmole und gehen hoch an den Wind. Endlich ziehen die Segel etwas besser. Die Strömung macht uns allerdings einen Strich durch die Rechnung. Bis 14:00 geht sie nordwärts, und so stehen wir segelnd vor dem Molenkopf herum. Also muß der Motor doch wieder arbeiten, und mit 3 kn über Grund zuckeln wir nach Süden. Dafür ist es aber in der Sonne herrlich warm, und wir tragen nur T-Shirts und kurze Hosen.
Erst um 13:00 wird der Wind stärker (8 kn) und wie auf ein Zeichen setzen alle Jachten um uns herum ihre Segel. Durch wirklich optimalen Trimm halten wir die Geschwindigkeit über 5 kn (bis 5,5) und ziehen eigentlich an allen Jachten vorbei. Es ist fast schon pervers, auch wenn die anderen eine Genua haben, lassen wir sie so stehen. Dekadent wie wir sind, ist uns das Steuern unter diesen Bedingungen auch zu langweilig, so daß der Autopilot den ganzen Tag über steuert. Der Akku macht es erstaunlicher Weise mit. Der Wind dreht langsam aber stetig über West nach Nord. Um 17:00 bergen wir die Fock und setzen den Blister. Somit halten wir fast unsere 5 kn Marke.
Ein Stunde später kommt der Wind dann aber so achterlich, daß das Groß weg muß, damit der Blister schön stehen bleibt. So erreichen wir lesend und dösend die grüne Tonne, die den Eingang zum Fahrwasser von Dunkerque markiert. Es wird spannend. In der Karte ist eine Barre von nur 1,3 m Tiefe eingezeichnet. Nach unseren Berechnungen müssen aber heute um diese Uhrzeit 1,8 m Wasser darüber stehen. Wir schauen gebannt auf den Tiefenmesser, doch er zeigt minimal 7,6 m an. So eng muß man die Sache mit den Wassertiefen bei normalen Gezeiten also nicht sehen. Von hinten kommt eine nagelneue Dehler 39 aufgelaufen. Sie hat Spi und Groß stehen, und als sie knapp neben uns segelt, schieße ich zwei Fotos. Später im Hafen spreche ich den Eigner auf die Bilder an, und er gibt mir seine Emailadresse. Diese Unterhaltung gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht. Er spricht nur französisch oder spanisch, kein Wort englisch. Hurra, wir sind in Frankreich.
Frankreich, das Land der nicht-englisch-sprechenden Leute, aber auch das Land des guten Essens. Weil heute Sonntag ist, und weil wir keine Lust zum kochen haben, gehen wir aus. Der Ober ist super freundlich, und wir verdrücken beide ein wirklich exzellentes Menü. Essen in Frankreich ist wirklich spitze!
Am Hafen erwartet uns eine kleine Überraschung: Das Tor, bewährt mit Stacheln oben drauf, ist geschlossen. Zum Glück erinnert sich Andreas an irgend einen Code, den er beim Hafenbüro gesehen hat. Nach ein paar Versuchen hat er die richtige Kombination raus, und wir kommen rein.