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Kroatientörn 2001

6. Tag
13.04.01
Skolj Inseln - Biograd
NE 3
1/8
20C
26 sm
9 h

Die Nacht war nicht ganz so ruhig wie es am Abend zuvor aussah: Es stürmte gegen 1:00 Uhr nachts, so daß wir nicht all zu gut schliefen. Außerdem wurde es wegen des klaren Himmels saukalt und auch wenn die Sonne inzwischen von einem knackig blauen Himmel scheint, kann ich mich kaum aufraffen, mich aus dem Schlafsack zu schälen. Steffi ist da viel aktiver und beschließt sogar zur Feier des Tages schwimmen zu gehen, um sich zu waschen. Beim Abtrocken entdeckt sie dann eine Zecke am Bauch und als ich vorsichtshalber mal bei mir schaue, entdecke ich gleich drei Stück. Wahrscheinlich, weil ich mich weniger oft gewaschen habe, ich geb's ja schon zu...
Wir scheinen uns die kleinen Biester am Vortag im Gebüsch aufgegabelt zu haben. Zum Glück haben sie sich erst so gerade eben festgebissen und durch festes "Gegnubbel" können wir sie zum Loslassen bewegen, wonach sie im klaren Mittelmeer versenkt werden. Keine Gnade!
Weil wir uns ja angeblich in einem Nationalpark befinden, paddeln wir ans Ufer, um die schützenswerte Natur zu besichtigen, wofür wir ja auch zahlen mußten. Entlang einer Straße laufen wir in die Hügel hoch und können uns am Ausblick auf die Bucht runter kaum satt sehen. Allerdings wird die Freude an der Aussicht und den blühenden Blumen schnell durch kleine wilde Müllkippen, bestehend aus Kühlschränken, Herden und Hausmüll getrübt. Keine Ahnung, wer sich hier die Mühe macht, aber etwa 10 m von der Straße weg finden wir mehrere solche Halden. Ein echter Jammer, mit dem Nationalpark scheint es nicht besonders weit her zu sein.
Auf dem Rückweg kaufen wir bei einem Imker ein großes Glas Honig. Er scheint allerdings kräftig mit Zuckerwasser zu bescheißen, das überall in großen Kanistern bereit steht. Am liebsten hätte er uns auch gleich noch eine Flasche Met dazu verkauft, aber wir winken dankend ab. Wieder auf dem Schiff kurbeln wir den Kiel einmal in jede Maximalstellung und können beruhigt feststellen, dass er bisher voll ausgefahren war. Auch wenn das Wasser superklar ist, wenn man nicht vom Beiboot aus mit der Taucherbrille guckt, kann man die Stellung nicht erkennen.
Um 11:30 hole ich unseren Anker hoch und zuckeln wir bei leichtem Wind in Richtung Ausgang des Parks. Vorher will ich aber noch die 'U. Cuska duboka'-Bucht besichtigen. Sie ist eigentlich mehr ein sehr schmaler Canyon, die in der Karte durch ihre Abmessungen auffällt. Sie windet sich sicher knapp 100 m ins Ufer hinein. Beim reimotoren hoffen wir, dass niemand entgegen kommt. Die Schlucht ist sicher gerade mal 15 m breit und die Felsen am Rand sehen sehr unfreundlich aus. Außerdem bläst uns ein starker Wind entgegen, scheinbar wirkt die Bucht wie eine Düse.
Als wir ans Ende kommen will ich unbedingt eine Ankerpause einlegen, denn von der Optik her ist es malerisch. Das Wasser ist wirklich glasklar und wir können jedes Detail unter uns erkennen. Der Wind stört allerdings gewaltig und nachdem wir den Anker ausgebracht haben, schwojen wir bedenklich nahe an die Felsen heran. Steffi hat eigentlich keine Lust mehr zu bleiben, und nachdem ich nach viel Getue noch eine Leine zum Land hin ausgebracht habe, der Wind es aber trotzdem sehr ungemütlich macht, sehe ich es ein und wir verlassen diesen komischen Ort wieder.
Der Wind schiebt jetzt so richtig schön und nachdem wir den Nationalpark endgültig hinter uns gelassen haben, fahren wir im Slalom um die Inseln und in Richtung der Tyrdomesnjak-Marina. Sie liegt in einer Bucht, aber als wir in sie einbiegen, können wir den 'Hafen' zunächst einfach nicht entdecken. Schließlich wird uns aber klar, dass der Betonsteg die Marina selbst ist. Bei dieser Windrichtung werden die Wellen aber genau in die Bucht getrieben, so daß man alles andere als ruhig liegt. Als wir auch noch feststellen müssen, dass der Laden und das Restaurant geschlossen sind, überschlagen wir den Abstand nach Biograd und rechnen aus, dass wir es noch vor der Dunkelheit bis dort schaffen könnten.
Es weht inzwischen mit 4 Bft und so kommen wir mit einem Reff am Wind sehr gut voran. Zum ersten Mal setzen wir den GPS richtig ein und Steffi programmiert einen Segelplan. In der Durchfahrt zwischen Zizanj und Gangaro kommen wir aus der Landabdeckung heraus und erwartet uns ein ganz anderes Meer. Es bläst mit sicher mehr als 5 Bft und wir setzen alle möglichen Reffs. Die Wellen sind wirklich extrem steil (bis zu 2 m hoch) und brechen teilweise sogar. Es ist wirklich das totale Chaos und wir bolzen und tänzeln durch das Inferno. Dabei nimmt die Laser erstaunlich wenig Wasser über, krängt aber teilweise über 45.
Wir tragen inzwischen beide unsere Westen über dem Ölzeug und sind angeleint. Ich sitze in die Luvreling gehakt an der Pinne und Steffi bestimmt immer wieder unsere Position. Es gibt hier mehrer kleine Inseln und ein paar Untiefen. Die Sicht ist aber glasklar und wir können uns gut von allen Gefahren frei halten. Allerdings sieht man deutlich eine Schicht der fliegenden Gischt über dem Wasser, wodurch die Szene noch gespenstiger wirkt.
Trotz der Reffs und den steilen Wellen kommen wir erstaunlich gut voran und runden bald Rt. Gnalic. Von hier aus können wir direkt auf Biograd zuhalten. Da die Sonne hinter den Inseln verschwindet, können wir die Hafeneinfahrt erst am Leuchtfeuer eindeutig ausmachen. Wegen der klaren Sicht unterschätzen wir den Abstand und kommen erst um 20:30 im Dunkeln geschafft, aber glücklich an.
Im Hafenrestaurant sitzen viele Touristen und wärmen sich auf. Im stillen hoffen wir, dass man uns unser wildes Abenteuer ansieht aber es ist zu bezweifeln. :o) Wir setzen uns mit salzverkrusteten Haaren an einen Tisch und genießen ein überraschend günstiges Abendessen. Danach ruft die gemütliche Koje.

Fotos:

Unser malerischer Ankerplatz. Wir und die anderen ankernden Jachten im Nationalpark. Bei schönstem Wetter verlassen wir unseren Ankerplatz. Ankern im schmalen Canyon. Wieder in 'freien' Gewässern.