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Ostseetour 2005

2. Tag
11.07.05
Bremerhaven - Brunsbüttel
N 3, N 5, N 1
1/8
25C
98 sm
16:35 h

Morgens schauen wir uns den Dieselstand an. Es sind noch 20 l im Tank, der Verbrauch der gestrigen 4 Stunden ist also fast nicht zu sehen. Wegen der Tide müssen wir wieder um 6:00 los. Es ist ruhig, der Wind weht mit max. 3 Bft aus Nord und Steffi legt sich nochmal auf's Ohr, während ich die Weser 'raus kreuze. Querab vom Containerterminal und den großen Frachtern steht Steffi auf und es gibt ein entspanntes Frühstück, was nur von den Wenden unterbrochen wird.
Neben uns sind noch 6 andere Jachten unterwegs. U.a. auch ein Waarschip (900?), aber alle motoren das erste Stück. Erst nach dem Containerhafen hissen sie die Segel und können wir uns endlich mal vergleichen. Da wir aber das längste Boot sind, schieben wir uns langsam an allen vorbei. Das ist zwar keine Kunst, macht aber trotzdem Spass. Vor uns hält sich noch eine X79, bevor wir uns aber über unsere höhere Geschwindigkeit freuen können, legt der Wind in Kürze auf N5 zu. Im glatten Wasser geht erst noch alles gut, auch wenn wir mit 35 für unser Gefühl mächtig Schräglage schieben (später stellen wir fest, dass das bei so einem schlanken Boot dazu gehört). Am Ende des Leitdamms, der sich rechts von uns unter der Oberfläche dahin zog erwartet uns dann ein wahrer Hexenkessel. Es sind nur etwa 100 m, aber hier sind die Wellen wirklich die Pest. Der auslaufende Strom gegen den entgegengesetzten Nordwind baut sie auf und sie sind extrem steil und hoch. Wir reffen kurz vorher und stürzen uns dann in's Getümmel.
Krachend bolzen wir gegenan und werden kräftigst durchgeschüttelt. Den anderen Jachten geht es nicht besser, aber alle halten durch, es scheint also hier ganz normal zu sein. Abends entdecken wir, dass sich eine der Lampen in der Bugkoje zerlegt hat. Das müssen die Beschleunigungen beim Stampfen gewesen sein.
Weiter draußen werden die Wellen länger, aber dafür auch höher. Hoch am Wind bolzen wir dagegen an. Dazu der starke Wind und das neue Boot, zu dem uns jegliches Vertrauen und Gefühl fehlt. Wir fühlen uns ziemlich unwohl, wollen aber durchhalten. Die anderen Jachten hinter uns beruhigen etwas und am Horizont sehen wir eine ganze Flotille von Segeln in Richtung Elbe fahren. Da haben wir doch schon ganz anderes mitgemacht!
Obwohl die Apelia relativ ruhig durch die Wellen geht und dabei erstaunlich wenig (wenn überhaupt) Wasser über Deck kommt, fange ich irgendwann an zu gähnen und merke die ersten Anzeichen von leichter Seekrankheit. Dieses Gebolze ist einfach ätzend, aber durch's Steuern verschlechter sich mein Zustand wenigstens nicht. Die Frage, die langsam auftaucht ist allerdings, ob wir nicht langsam die Wende wagen und Richtung NO abbiegen können, die Sände dabei in sicherem Abstand haltend. Wir sehen den Leuchturm Alte Weser querab, einer sollte also langsam mal unter Deck zum navigieren. Mit dem Kommentar, dass besser sie als ich ausfallen sollten öffnet Steffi das Luk und verschwindet unter Deck. Bis sie den Stechzirkel und das Geodreieck hervorgekramt hat ist ihr aber schon schlecht. Sie schafft es noch hoch, dann opfert sie ihr Frühstück durch den Heckkorb.
Es hilft nichts, jetzt "darf" ich also mal. Durch die Verantwortung kann ich mich aber voll auf's Navigieren konzentrieren und schaffe es, mich lang genug zusammen zu reißen. Unsere Position ist prima und wir können wenden. Auf dem neuen Bug fallen die Wellen seitlicher ein und wird es einiges besser. Wir laufen gut 6 kn und bewegen uns endlich auf unser Ziel, die Elbemündung zu. Sofort steigt die Stimmung und endlich können wir das neue Boot, den strahlend blauen Himmel und die Aussicht genießen. Links von uns ziehen die Frachter von und nach Hamburg ihre Bahnen, davor sind immer noch viele weiße Segel zu sehen und hier und da schaukelt ein Kutter mit ausgebrachten Netzen durch die Gegend.
Am Elbfahrwasser können wir endlich abfallen und mit halbem Wind und raumen Wellen geht die Sausefahrt so richtig los. Bei 7,5 kn türmt sich unsere Heckwelle bedrohlich auf, dafür ist der Abriss am Spiegel schön sauber. Steffi legt sich eine Runde auf's Ohr und ich kann mich wieder am Segeln erfreuen. Bei diesen Bedingungen ist die Bolzerei direkt vergessen. Die Apelia liegst herrlich auf dem Ruder und mit zwei Fingern an der Pinne kann ich sie auf Kurs halten. Bei größeren Wellen muss man ab und zu mal kräftiger durchgreifen, aber dafür reagiert sie dann direkt und bleibt immer exakt steuerbar. Eine Wucht!
Je weiter wir in die Elbe vordringen, desto mehr nimmt der Wind ab. Wir reffen aus und ich gehe unter Deck um Brote zu schmieren. Dabei entdecke ich Wasser in der Bilge. Es ist süß, ich kann mich also schonmal entspannen. Die Apelia ist dicht. Durch die Knickspantbauweise sammeln sich entlang der Knicke kleine Pfützen und lässt sich die Quelle schnell lokalisieren: Der Hahn am WC-Waschbecken liegt bei Krängung auf SB-Bug tiefer als der Tank und tröpfelt beständig vor sich hin. Ich ärgere mich über die durchgesifften Sachen und frage mich, wie man das wohl beheben könnte, da entdecke ich ein Ventil unter dem Hahn. Wie praktisch, wenn man es schließt ist das Problem behoben! :o) Jetzt haben wir also jede Wasserquelle im Boot durch Trial and Error kennengelernt...
Auf dem Weg nach Brunsbüttel haben wir ein Boot nach dem anderen langsam aber beständig überholt. Endlich auch mal größere Pötte. Die letzten 2 Meilen ist der Wind aber völlig eingeschlafen und eines nach dem anderen motoren sie wieder an uns vorbei. Solange der Strom aber noch schiebt, genießen wir die Stille und die Ruhe und bleibt der Kollege Beta-Marine ausgeschaltet.
So schaffen wir's bis zur Schleuse, bergen die Segel und "betreten" den Nord-Ostsee-Kanal. Im Hafen von Brunsbüttel legen wir uns außen in's Päckchen und sind froh, die Letzten zu sein. Mit unserem grazilen Boot als Fender zwischen zwei 10-Tonnen-Kolosse, da haben wir keine Lust zu. Gegenüber liegt ein anderes Waarschip.
Auch rot, auch hübsch, aber eben keine 1010, also nicht so elegant. Dafür hochbordiger, sie werden also mehr Platz haben und sich nicht dauernd irgendwo stoßen. In den ersten Tagen waren wir übersäht von blauen Flecken. Nach und nach gewöhnten wir uns aber an die Enge und inzwischen ist es auch bei 45 Krängung und Seegang kein Problem mehr, irgend etwas unwichtiges aus der Bugkoje zu kramen.
Nach kurzem Einkauf brutzeln wir uns unser Abendessen an Bord. Danach genießen wir im Biergarten neben dem Hafen noch ein kühles Getränk, ein richtiger Luxus, wenn man selbst keinen Kühlschrank hat. Wir schaffen's noch zu duschen, aber dann schlägt die Müdigkeit zu und müssen wir in die Kojen.